Eine Heizung rastet aus


Southside 2008 (3)
Donnerstag, 26 Juni 2008, 23:49
Einsortiert unter: Musik! Musik!

Der Sonntag war mindestens genauso heiß, aber wenigstens wehte meist ein leichtes Lüftchen, was die Lage deutlich angenehmer machte. Und so war ich topfit, als wieder um viertel nach drei Nachmittags das erste Konzert für mich anstand: Millencolin. Mit den vier Schweden erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch und sehr gerne hätte ich sie später am Tag und für eine längere Spielzeit gesehen. Doch, man will ja nicht undankbar sein: Sie waren gut. Vielleicht ein wenig routiniert, aber das sah ich nicht als großes Manko an. Viele neue Songs, aber auch einige alte Klassiker gaben sie zum Besten und das einzige, das den Genuss störte, war der unnötig gewaltsame Pogo. So suchte ich mir eine sanftere Ecke und mit den letzten Klängen von „No Cigar“ verließ ich die Green Stage…

…um zu den ersten Klängen von The Subways den Bereich vor der Blue Stage zu betreten. Meine Erwartungen waren hoch, schließlich handelte es sich doch um einen der besten Newcomer der letzten Jahre mit einem aufsehenerregenden Debütalbum. Doch was war nun los? Vor allem der Sänger und Gitarrist erfüllte gar nicht meine Erwartung von der sympathischen, frischen „New Band on the Block“. „Maaake some fucking Noooiissse!“ – und das nach jedem Song gepaart mit „Do you know the Subways?!“ erinnerte unangenehm stark an die Hives letztes Jahr am Ring – und sein Schlagzeug zerstören darf nur ein großer Rockstar. Abgesehen davon war es ein klasse Gig und die Stimmung super.

Danach war Zeit für Madsen. Meine Vorfreude hielt sich in Grenzen, da ich sie schon zweimal gesehen habe, aber mittlerweile das (wie ich dachte) grausliche neue Album erschienen war. Egal, es fing gut an. Und ich muss gestehen: Die neuen Songs, die sie gespielt haben, klangen alle ganz gut (bzw. zumindest ordentlich). Vermutlich ein klassischer Fall von „live besser wie auf Platte“. Und die alten Schlager wie „Die Perfektion“ rockten sowieso. Sehr stimmungsfördernd war auch die kühlende Unterstützung durch die Feuerwehrleute, die die schwitzende Menge mit Wasserfontänen gehörig abkühlte… und die Stimmung dadurch anfeuerte. Nass, aber zufrieden verließ ich die Blue Stage wieder und ging wieder rüber zur Green Stage.

Doch schaute ich mir dort nicht die Kaiser Chiefs an, die noch gut zwanzig Minuten spielten (die hatte ich nämlich in den letzten beiden Jahren jeweils bei Rock am Ring gesehen und so begeistert, dass ich sie noch mal sehen musste, war ich auch nicht von ihnen), sondern stellte mich lieber an die Schlange für den vordersten Wellenbrecher an. Dass ich mich an die falsche Stelle angestellt und damit einige Meter gespart hatte, merkte ich erst später – die Schlange war nämlich durch die Securitys aufgesplittet worden, damit ein Durchgang zu den Toiletten noch möglich war und jeder zweite Klobesucher versuchte danach, dies zum Vordrängeln zu nutzen.

Wie dem auch sei, danach waren Billy Talent an der Reihe. Und ich völlig fertig: Das Wochenende kostete doch noch seinen Tribut. Mitunter waren meine Beine bleischwer, ich war dick verschnupft, hatte Kopfschmerzen und eine ebenfalls leicht schmerzende rechte Schulter, die irgendwo bei Millencolin gelitten haben muss. Also stellte ich mich nach hinten (im vordersten Wellenbrecher, also mit super Sicht) und schaute mir die Show von da aus an. Und sie überraschten mich, denn auch hier war meine Vorfreude gebremst gewesen. Zu stark noch die Erinnerung an einen von der musikalischen Qualität schlechten Auftritt bei Rock am Ring, der nur aufgrund der guten Stimmung wirklich Spaß gemacht hatte. Natürlich traf der Sänger hier die Töne auch nicht besser, aber es ließ sich gut ertragen. Und die Laune der Band war erstklassig. Die des Publikums spätestens zum „Feuerher“-Intermezzo ebenfalls. Was war geschehen? Ein Teil der Zuschauer rief zwischen den Songs immer wieder „Wasser! Wasser!“, von dem der Sänger nur vermuten konnte, dass es etwas wie „Water“ bedeuten musste. Als er eins und eins zusammengezählt hatte, merkte er, dass sie wollten, dass der Feuerwehrwagen wieder zurückkommt. Also ging es ans Übersetzen von „Fire Truck“ und das klingt tatsächlich so ähnlich wie „Feuer-her-something“. Das Löschfahrzeug ließ sich (glücklicherweise) nicht mehr sehen, da es mittlerweile nicht mehr wirklich warm war und so rief er es noch eine ganze Weile, mit sinkender Hoffnung.

Als Billy Talent fertig waren, hieß es, eine Stunde Umbaupause zu überstehen, bis die Foo Fighters soweit sein würden. Ich war gespannt, ob sie ihrer Headlinerrolle gerecht werden würden und hielt deswegen noch eine Weile durch. Und dann kamen sie und es war von Anfang an klar, wem hier die Bühne gehört: Dave Grohl, dem ehemaligen Drummer von Nirvana und jetzigem Sänger und Gitarrist der Foo Fighters. Doch auch der Rest der Band wirkte sehr souverän – allerdings etwas zu distanziert, Kommunikation mit dem Publikum fand kaum statt. Wenn, dann in der Form, dass Grohl (und damit sprach er mir aus dem Herzen) dem deutschen Publikum erklärte, dass man bitteschön auf zwei und vier zu klatschen hat und nicht humpa-humpa-humpa-mäßig auf die eins und drei. Doch wozu braucht man Kommunikation, wenn man das auch musikalisch erledigen kann? Die Soli im Mittelteil waren für meinen Geschmack etwas zu lang, aber dann begann noch mal ein starker Schlussspurt mit dem unter anderem von Geige und Piano unterstützten Akustikteil. Pünktlich um halb zwölf verließen die sieben oder acht Amerikaner die Bühne ohne Zugabe und ich freute mich auf meinen Stuhl (auch wenn es ein gutes Konzert war – aber irgendwann ist es einfach genug) – der zum Glück am Sonntagmittag wieder aufgetaucht war, nachdem wir Samstag Nacht bemerken musste, dass sich jemand drei unserer vier Stühle ausgeliehen hatte.

Montag

Am Montag passierte nicht mehr viel außer dem Aufräumen und Abbauen der Zelte. Wir verließen gegen halb elf den Parkplatz, erreichten Karlsruhe nach zwei Staus allerdings erst um halb drei. Zwischenzeitlich nahmen wir noch einen Tramper aus Stuttgart mit, der seine Crew beim Festival verloren hatte – allerdings nur bis kurz nach Tuttlingen, als bei einer Polizeikontrolle (die wir natürlich unbehelligt passierten) eine Gruppe Jugendlicher ihr Zelt am Straßenrand aufgeschlagen hatte und dringend einen nüchternen Autofahrer aus Stuttgart suchte, der ihr Steuer übernehmen könnte. Wie passend, dass unser Mitfahrer sowieso nach Vaihingen wollte.

Fazit

Der Hauptunterschied zwischen dem Southside und Rock am Ring ist sicherlich zum einen die Dimension und zum anderen das Wetter. 50.000 statt 90.000 Besucher machen schon einen spürbaren Unterschied aus, alles ist ein wenig entspannter und vor allem sind die Wege deutlich kürzer, da alle Zeltplätze in Schmetterlingsform um die Rollbahn des ehemaligen Militärfriedhofs bei Neuhausen ob Eck angeordnet waren – an deren Ende sich auch schon der Bühnenbereich befand. Und natürlich sind drei Tage strahlender Sonnenschein in der Eiffel unmöglich, in der es um die Jahreszeit mindestens an einem der Festivaltage regnet und ansonsten auch meist trübe Suppe vorherrscht.

Natürlich sind die Bands des Southside eine Schublade kleiner (Radiohead, Foo Fighters und Beatsteaks vs. Rage Against The Machine, Metallica und Die Toten Hosen), aber man kommt eben auch viel leichter auf gute Plätze vor der Bühne. Technisch ist das Southside leicht unterlegen, die Musik ist bei den Mittags-Acts etwas schlechter abgemischt und allgemein recht leise und die Monitore sind tagsüber und aus der Nähe schlecht zu erkennen, da sie nur auf größere Entfernungen ausgelegt sind, schließlich gibt es keine zweite Monitorreihe weiter hinten. Allerdings braucht man sie vorne ja auch nicht dringend, ich seh mir die Bands lieber live an statt im „Fernsehen“.

Insgesamt war es also ein ziemlich gutes Festival und definitiv in Zukunft wieder eine Überlegung als Alternative zu RaR wert, wenn das Lineup passt.


2 Kommentare bis jetzt
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[...] mehrere Teile zum Southside dann noch bei Ulfsheizung (geiler Blogtitel übrigens ) [...]

Pingback von Southside Rückblick und Videos | Festival News

и всё эе: шикарно!!

Kommentar von доска гей знакомств




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