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Leider hat es sich ja gestern ausgeSCHLANDet – verdientermaßen. Doch auch wenn’s nur der Weg ins Finale war: Meine Lieblingsrapper von Blumentopf haben auch zu dieser EM wieder ihre berühmte Raportage ausgepackt. Und wie schon bei der WM 06 ist diese enorm hörenswert und bringt die Spiele in 1:30min auf den Punkt.
Deutschland – Polen 2:0
Kroatien – Deutschland 2:1
Vorbericht Österreich – Deutschland
Österreich – Deutschland 0:1
Portugal – Deutschland 2:3
Deutschland – Türkei 3:2
Vorbericht Deutschland – Spanien
Deutschland – Spanien 0:1
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Der Sonntag war mindestens genauso heiß, aber wenigstens wehte meist ein leichtes Lüftchen, was die Lage deutlich angenehmer machte. Und so war ich topfit, als wieder um viertel nach drei Nachmittags das erste Konzert für mich anstand: Millencolin. Mit den vier Schweden erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch und sehr gerne hätte ich sie später am Tag und für eine längere Spielzeit gesehen. Doch, man will ja nicht undankbar sein: Sie waren gut. Vielleicht ein wenig routiniert, aber das sah ich nicht als großes Manko an. Viele neue Songs, aber auch einige alte Klassiker gaben sie zum Besten und das einzige, das den Genuss störte, war der unnötig gewaltsame Pogo. So suchte ich mir eine sanftere Ecke und mit den letzten Klängen von „No Cigar“ verließ ich die Green Stage…
…um zu den ersten Klängen von The Subways den Bereich vor der Blue Stage zu betreten. Meine Erwartungen waren hoch, schließlich handelte es sich doch um einen der besten Newcomer der letzten Jahre mit einem aufsehenerregenden Debütalbum. Doch was war nun los? Vor allem der Sänger und Gitarrist erfüllte gar nicht meine Erwartung von der sympathischen, frischen „New Band on the Block“. „Maaake some fucking Noooiissse!“ – und das nach jedem Song gepaart mit „Do you know the Subways?!“ erinnerte unangenehm stark an die Hives letztes Jahr am Ring – und sein Schlagzeug zerstören darf nur ein großer Rockstar. Abgesehen davon war es ein klasse Gig und die Stimmung super.
Danach war Zeit für Madsen. Meine Vorfreude hielt sich in Grenzen, da ich sie schon zweimal gesehen habe, aber mittlerweile das (wie ich dachte) grausliche neue Album erschienen war. Egal, es fing gut an. Und ich muss gestehen: Die neuen Songs, die sie gespielt haben, klangen alle ganz gut (bzw. zumindest ordentlich). Vermutlich ein klassischer Fall von „live besser wie auf Platte“. Und die alten Schlager wie „Die Perfektion“ rockten sowieso. Sehr stimmungsfördernd war auch die kühlende Unterstützung durch die Feuerwehrleute, die die schwitzende Menge mit Wasserfontänen gehörig abkühlte… und die Stimmung dadurch anfeuerte. Nass, aber zufrieden verließ ich die Blue Stage wieder und ging wieder rüber zur Green Stage.
Doch schaute ich mir dort nicht die Kaiser Chiefs an, die noch gut zwanzig Minuten spielten (die hatte ich nämlich in den letzten beiden Jahren jeweils bei Rock am Ring gesehen und so begeistert, dass ich sie noch mal sehen musste, war ich auch nicht von ihnen), sondern stellte mich lieber an die Schlange für den vordersten Wellenbrecher an. Dass ich mich an die falsche Stelle angestellt und damit einige Meter gespart hatte, merkte ich erst später – die Schlange war nämlich durch die Securitys aufgesplittet worden, damit ein Durchgang zu den Toiletten noch möglich war und jeder zweite Klobesucher versuchte danach, dies zum Vordrängeln zu nutzen.
Wie dem auch sei, danach waren Billy Talent an der Reihe. Und ich völlig fertig: Das Wochenende kostete doch noch seinen Tribut. Mitunter waren meine Beine bleischwer, ich war dick verschnupft, hatte Kopfschmerzen und eine ebenfalls leicht schmerzende rechte Schulter, die irgendwo bei Millencolin gelitten haben muss. Also stellte ich mich nach hinten (im vordersten Wellenbrecher, also mit super Sicht) und schaute mir die Show von da aus an. Und sie überraschten mich, denn auch hier war meine Vorfreude gebremst gewesen. Zu stark noch die Erinnerung an einen von der musikalischen Qualität schlechten Auftritt bei Rock am Ring, der nur aufgrund der guten Stimmung wirklich Spaß gemacht hatte. Natürlich traf der Sänger hier die Töne auch nicht besser, aber es ließ sich gut ertragen. Und die Laune der Band war erstklassig. Die des Publikums spätestens zum „Feuerher“-Intermezzo ebenfalls. Was war geschehen? Ein Teil der Zuschauer rief zwischen den Songs immer wieder „Wasser! Wasser!“, von dem der Sänger nur vermuten konnte, dass es etwas wie „Water“ bedeuten musste. Als er eins und eins zusammengezählt hatte, merkte er, dass sie wollten, dass der Feuerwehrwagen wieder zurückkommt. Also ging es ans Übersetzen von „Fire Truck“ und das klingt tatsächlich so ähnlich wie „Feuer-her-something“. Das Löschfahrzeug ließ sich (glücklicherweise) nicht mehr sehen, da es mittlerweile nicht mehr wirklich warm war und so rief er es noch eine ganze Weile, mit sinkender Hoffnung.
Als Billy Talent fertig waren, hieß es, eine Stunde Umbaupause zu überstehen, bis die Foo Fighters soweit sein würden. Ich war gespannt, ob sie ihrer Headlinerrolle gerecht werden würden und hielt deswegen noch eine Weile durch. Und dann kamen sie und es war von Anfang an klar, wem hier die Bühne gehört: Dave Grohl, dem ehemaligen Drummer von Nirvana und jetzigem Sänger und Gitarrist der Foo Fighters. Doch auch der Rest der Band wirkte sehr souverän – allerdings etwas zu distanziert, Kommunikation mit dem Publikum fand kaum statt. Wenn, dann in der Form, dass Grohl (und damit sprach er mir aus dem Herzen) dem deutschen Publikum erklärte, dass man bitteschön auf zwei und vier zu klatschen hat und nicht humpa-humpa-humpa-mäßig auf die eins und drei. Doch wozu braucht man Kommunikation, wenn man das auch musikalisch erledigen kann? Die Soli im Mittelteil waren für meinen Geschmack etwas zu lang, aber dann begann noch mal ein starker Schlussspurt mit dem unter anderem von Geige und Piano unterstützten Akustikteil. Pünktlich um halb zwölf verließen die sieben oder acht Amerikaner die Bühne ohne Zugabe und ich freute mich auf meinen Stuhl (auch wenn es ein gutes Konzert war – aber irgendwann ist es einfach genug) – der zum Glück am Sonntagmittag wieder aufgetaucht war, nachdem wir Samstag Nacht bemerken musste, dass sich jemand drei unserer vier Stühle ausgeliehen hatte.
Montag
Am Montag passierte nicht mehr viel außer dem Aufräumen und Abbauen der Zelte. Wir verließen gegen halb elf den Parkplatz, erreichten Karlsruhe nach zwei Staus allerdings erst um halb drei. Zwischenzeitlich nahmen wir noch einen Tramper aus Stuttgart mit, der seine Crew beim Festival verloren hatte – allerdings nur bis kurz nach Tuttlingen, als bei einer Polizeikontrolle (die wir natürlich unbehelligt passierten) eine Gruppe Jugendlicher ihr Zelt am Straßenrand aufgeschlagen hatte und dringend einen nüchternen Autofahrer aus Stuttgart suchte, der ihr Steuer übernehmen könnte. Wie passend, dass unser Mitfahrer sowieso nach Vaihingen wollte.
Fazit
Der Hauptunterschied zwischen dem Southside und Rock am Ring ist sicherlich zum einen die Dimension und zum anderen das Wetter. 50.000 statt 90.000 Besucher machen schon einen spürbaren Unterschied aus, alles ist ein wenig entspannter und vor allem sind die Wege deutlich kürzer, da alle Zeltplätze in Schmetterlingsform um die Rollbahn des ehemaligen Militärfriedhofs bei Neuhausen ob Eck angeordnet waren – an deren Ende sich auch schon der Bühnenbereich befand. Und natürlich sind drei Tage strahlender Sonnenschein in der Eiffel unmöglich, in der es um die Jahreszeit mindestens an einem der Festivaltage regnet und ansonsten auch meist trübe Suppe vorherrscht.
Natürlich sind die Bands des Southside eine Schublade kleiner (Radiohead, Foo Fighters und Beatsteaks vs. Rage Against The Machine, Metallica und Die Toten Hosen), aber man kommt eben auch viel leichter auf gute Plätze vor der Bühne. Technisch ist das Southside leicht unterlegen, die Musik ist bei den Mittags-Acts etwas schlechter abgemischt und allgemein recht leise und die Monitore sind tagsüber und aus der Nähe schlecht zu erkennen, da sie nur auf größere Entfernungen ausgelegt sind, schließlich gibt es keine zweite Monitorreihe weiter hinten. Allerdings braucht man sie vorne ja auch nicht dringend, ich seh mir die Bands lieber live an statt im „Fernsehen“.
Insgesamt war es also ein ziemlich gutes Festival und definitiv in Zukunft wieder eine Überlegung als Alternative zu RaR wert, wenn das Lineup passt.
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Für den Samstag braucht es eigentlich nur ein Wort zur Beschreibung: „Heiß! Heiß! Heiß!“. Es war dermaßen heiß, dass man unter dem fast wolkenlosen Himmel ohne Pavillon (ja, das ist vorgemerkt für’s nächste Mal) fast zerbraten wurde. Und so hingen wir lethargisch und erschlagen rum bis endlich die schlimmste Mittagshitze überstanden war.
Enter Shikari halfen mir, mich aufzuraffen, denn die standen um viertel nach drei als erste auf meinem Plan. Kurz gesagt war ihre Show sehenswert (unter anderem wildes Abspacken zu Elektromusik aus der Konserve), die Musik ganz in Ordnung. Als Trancecore bezeichnen sie diese, da es sich um einen Mix aus Hardcore und Trance-Elementen handelt (wer hätte es gedacht?).
Dann sollte ein weiterer Höhepunkt folgen: Kettcar. Eine Band, die sicherlich nicht allen gefällt – daher rühren auch Vergleiche wie „Pur für Alkoholiker“. Ich mag’s und befand mich da auch in guter Gesellschaft. Und so genoss ich eines der atmosphärischsten Konzerte des Wochenendes – einfach zum Genießen, diese Band hat ein gewisses Etwas. Klares Highlight war „Balu“ als Zugabe, einer der schlichtesten und schönsten deutschen Popsongs der letzten Jahre. Und Marcus Wiebusch und seine Jungs hatten sichtlich Spaß am größten Publikum, vor dem sie je spielen durften. Und bewiesen durchaus Selbstironie („Wie waren Kettcar? – Langweilig!“).
Direkt danach folgten Tocotronic. Ich muss gestehen, ich kannte vorher gerade mal drei Songs von ihnen, aber allein schon aus Bildungszwecken wollte ich mit DIE deutsche Indieband mal anschauen. Aber ehrlich gesagt: Sie waren recht langweilig. Die Songs sind mir einfach viel zu sperrig, um sie beim ersten Hören gut zu finden. Und die Kerle auf der Bühne vom Aussehen her absolute Indie-Stereotype: Seltsame Frisur I, Rosa Hemd, Seltsame Frisur II, absoluter Durchschnittstyp (von links nach rechts). Dazu kam noch die etwas seltsame Art mit der der Sänger seine Ansagen atemlos-gepresst ins Mikro scheuchte. Nunja, spannend war’s zwar nicht, ganz schlecht aber auch nicht.
Schlecht wurde es nämlich erst danach, als Monster Magnet die Bühne enterten. Alte Rocker mit einem absolut lächerlichen Frontmann: Dave Wyndorf ist mittlerweile aufgegangen wie ein Stück Hefe und seine furchtbare Schlabberkleidung verstärkt diesen Eindruck umso mehr. Dazu kommt dann noch das wirklich penetrante Dauer-Zitieren von „motherfucker“ und „yeah“ – und Songs, die alle gleich klangen: Uninspiriert, kraftlos, Hauptsache laut und Bassdrum-Gewitter. Ich hab es sitzenderweise über mich ergehen lassen, um Kräfte für die beiden folgenden Bands zu sparen.
Denn als nächstes waren NoFX an der Reihe. Eine Band, die ich eigentlich schon ewig mal live sehen wollte und die so viele Punk-Rock-Klassiker geschrieben hat, dass man sie wohl zu recht als DIE Punk-Band überhaupt bezeichnen kann. Und dieser Rolle wurden sie gerecht, indem sie „gut angeheitert“ die Bühne betraten und erstmal zwei Minuten lang „Deine Mutter!“-Sprüche abließen und sich gegenseitig dissten. Nicht nur sich gegenseitig, auch der arme Bungee-Jumper am anderen Ende des Geländes musste einiges über sich ergehen lassen. Aber eigentlich geht es ja um die Musik. Und die war gut: Fast nur Klassiker, sodass ich wirklich wenige Songs explizit vermisst hätte (sogar „Champs Élysées“ und „Kill all the white men“ waren dabei). Der Start mit „Dinosaurs will die“ war perfekt gewählt und schon war man mitten drin – im härtesten, aber absolut fairsten Moshpit des Wochenendes. Genau so muss das sein, damit es Spaß macht: Nicht um sich schlagen und mit den Fäusten voraus in den Mann, sondern kontrolliert gegeneinanderspringen. Typisch für ihren Humor war auch das 40×30cm „große“ Banner über der Bühne – für eine Band, die ihre Liveplatte „They’ve actually gotten worse live“ nennt, ist diese Form des Understatements durchaus angemessen.
Danach warten auf die Beatsteaks. Etwas nervig während diesem Warten war, dass man sich kaum hingesetzt hatte und schon bahnte sich ein Security den Weg durch die Massen und forderte alle auf, sich hinzustellen – vermutlich, damit die Kapazität des vordersten Wellenbrecherbereichs (der zweite Wellenbrecher vor der Green Stage war offen und dort funktionierte das auch deutlich besser als bei der Blue Stage) besser abgeschätzt werden konnte. Und was das angeht, kann ich ihnen nur ein Kompliment geben: Es war zu keinem Zeitpunkt und keiner Band vorne drin irgendwie überfüllt. Stattdessen konnte man sich gut bewegen und fand falls gewünscht auch ein ruhiges Plätzchen mit guter Sicht.
Nun aber die Beatsteaks. Begonnen haben sie natürlich wie immer mit „As I Please“ (das sich dafür auch vorzüglich eignet), aber danach machten sich einige Änderungen in der Setliste und Reihenfolge der Lieder im Vergleich zum letzten Jahr bei Rock am Ring und dem Fest positiv bemerkbar – nicht nur der karierte Banner im Hintergrund war neu, sondern es ließ sich auch ein wenig musikalische Abwechslung bemerken. Die Buletten waren wieder mal in bester Spiellaune und Arnim konnte seine Rampensau-Qualitäten ungebremst ausleben. Und das Publikum war dabei wie immer („Southside!“ – „Beatsteaks!“). Einziger Wermutstropfen: Wieso müssen diese dummen Kinder bei annähernd jedem Song an den unpassendsten Stellen eine Wall of Death probieren? Wenn das mal passiert, gern – dann heizt es die Stimmung an. Aber ich will nicht andauernd vorgeschrieben bekommen, wann ich mich wie zu bewegen hab – vor allem nicht bei Passagen, bei denen der initiale Auslöser für den Moshpit einfach fehlt. Doch egal, davon lass ich mir nicht die Stimmung verderben. Auch nicht vom Missverständnis mit Jan Delay: Eigentlich war verabredet, dass beide Bands (bzw. deren Publikum) zur selben Zeit einen Gruß zur jeweils anderen Bühne schicken. Nur war der gute Jan gerade mitten in einen Song vertieft, als die 30.000 Kehlen vor der Blue Stage nach seiner „Disko No.1“ riefen. Auf die HipHopper ist nun mal kein Verlass. Dafür werden die Beatsteaks musikalisch immer Vielfältiger: Der Uptempo-Punkrock der Anfangszeit findet bei den neuen Songs kaum noch statt – Songs wie „Hail to the Freaks“ und „Cut off the Top“ sprengen den Drei-Akkorde-ein-Rhythmus-Rahmen deutlich und erfreulicherweise. Und live wird problemlos auch mit HipHop-Beats experimentiert. Die Diskussion, ob die Beatsteaks Headliner-fähig sind, kann nach diesem Auftritt definitiv mit „ja“ beantwortet werden. Sie sind mittlerweile einfach eine der größten deutschen Bands. Eine interessante Abwechslung zum mittlerweile viel zu oft kopierten Hinsetz-Aufspring-Spielchen bei „Let me in“ war dann zum Abschluss das Hinsetz-Aufspring-Spielchen mit der Erweiterung des T-Shirt-Ausziehns und wild-im-Kreis-Schwenkens. Durchdrehn pur. Und ein guter Schlaf in der darauffolgenden Nacht.
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„Schon wieder ein Eintrag über Musik und Konzerte? Muss das sein?“, fragst du jetzt vielleicht. Nein, sein muss das nicht. Aber ich mach es trotzdem – allein schon als Erinnerungs-Tagebuch für mich…
Das Southside-Festival begann am Donnerstag mit dem Deutschland-Viertelfinale. Also machten wir uns gegen vier in Karlsruhe auf den Weg – der leider dank Stau am Stuttgarter Kreuz länger dauerte als gedacht. So lange, dass es richtig eng wurde zum Spiel hin. Deswegen entschieden wir uns auch, nur kurz das Zelt auf den Boden zu werfen (und damit einen Platz freizuhalten), da, als wir uns auf den Weg zur Leinwand machten, schon das 1:0 fiel.
Ein erfolgreiches Spiel später begann eine nächtliche Odyssee, über die hier der Mantel des Schweigens gehüllt werden soll. Die Stichwörter „Auto suchen – geschätzte 10.000 kg Gepäck zweimal das gesamte Gelände rauf und runter schleppen – verloren geglaubte Heringe suchen und improvisieren“ müssen genügen. Aber Ende gut, alles gut. Und bis auf eine dicke Erkältung meinerseits endete diese Nacht auch gut.
Freitag
Geweckt von der brütenden Hitze, die aus dem Zelt eine Sauna machte, krochen wir jeden Tag zwischen halb neun und halb zehn aus den Schlafsäcken. Doch eine kurze Nacht lässt sich mit Chillen auf dem Zeltplatz ausgleichen – zumindest am Freitag noch. Und so passierte auch nicht sonderlich viel, bis dann um 16:15 die allererste Band spielte: Wrongkong. Da das Southside wirklich das Festival der kurzen Wege ist (10 Minuten vom Zelt zu den Bühnen – im Vergleich zu einer Dreiviertelstunde von einem der schlechteren Zeltplätze bei Rock am Ring), schauten wir uns die doch kurzerhand mal an. Viel weiß ich nicht mehr von ihrem Auftritt, aber es handelte sich um okayen Rock mit Elektro-Einflüssen (bzw Elektropop mit Rock-Einflüssen, wer weiß das schon so genau), der allerdings ziemlich bass-dröhnig abgemischt war. Nach einer kurzen Erkundungstour über das Gelände und der Feststellung, dass Zeltbühnen auf Open-Air-Festivals einfach nichts zu suchen haben (Sauna-heiß, stickig, schlechte Sicht) ging es noch mal zurück zum Zelt – dessen „Vorgarten“ wir glücklicherweise mit unseren Stühlen „markiert“ hatten… denn langsam wurde es echt eng, da irgendwie auch noch die letzten der 50.000 Besucher ihr Plätzchen finden mussten.
Aber der Tag begann ja erst und so ging es um 19:15 Uhr wieder los zu den Donots. Leider mussten diese auch unter einem recht miesen und gitarrenarmen Sound leiden (bei den restlichen Bands wurde es allerdings besser) und spielten zudem noch viele neue mir unbekannte (und von zweifelhafter Qualität geprägte) Songs. Früher (genauer gesagt zu Zeiten von „Amplify the Good Times“) war halt doch alles besser. Schlecht war das Konzert nicht, aber wirklich gut auch nicht – dies lag auch daran, dass ich vergessen hatte, meine Schuhe zu wechseln. Pogo (oder irgendeine andere Art des unkoordinierten Tanzes) mit Slip-Ons ist kein wirklicher Spaß, da man sie alle naselang verliert. So blieb mir eine Zuschauerrolle.
Auch bei Flogging Molly, die danach an der Reihe waren. Wobei das auch mit den richtigen Schuhen ähnlich gewesen wäre. Denn, und das merkte ich nun ein für allemal, mit Celtic-Rock bzw. Folk-Punk kann ich einfach nichts anfangen. Penetrantes schnelles Gekloppe von Gitarre, Bass und Schlagzeug und dazu nerviges Dauer-Gefiddle der Geige – sodass wirklich jeder Song gleich erschien.
Doch der Grund, dass ich mich auf der Blue Stage (man könnte sie auch Alternastage nennen in Abgrenzung zur Hauptbühne, der Green Stage) aufhielt und auf Radiohead verzichtete, waren die beiden folgenden Bands.
Zuerst Black Rebel Motorcycle Club, die Band mit dem furchtbar sperrigen Namen. Ihr Alternative-Rock ist glücklicherweise deutlich eingängiger, aber immer noch rau und anspruchsvoll genug, um nicht im Mainstream unterzugehen. Ein erstes Highlight und auch beim bloßen Zuschauen ein Genuss.
Und den Abschluss bildeten The Kooks. Und, alter Schwede: Die verstehen was vom Songschreiben. Ihr aktuelles zweites Album ist bei mir jedenfalls nun rot auf der Einkaufsliste markiert: Wie schon auf dem Erstling wunderbarer Indie-Rock mit Ohrenschmeichler-Melodien ohne Ende – und auch live gut rübergebracht. Weniger wunderbar war das Gedrücke vor allem zu Beginn – was aber vermutlich dem seltsamen Konzept des in der Mitte orthogonal zur Bühne verlaufenden Wellenbrechers geschuldet ist. Da dieser zu den Seiten offen und nicht zutrittsbeschränkt ist, drängt natürlich jeder zur Mitte, in der es dann verständlicherweise eng wird. Gut, man weiß ja, wann man sich zurücknehmen muss und so gab ich meinen recht zentralen Platz auf und genoss von ein paar Metern weiterer Entfernung den cremigsten Akustikgitarren-Sound, den ich in letzter Zeit gehört hatte. Ich war auch nicht böse, dadurch den penetranten Schwärmereien eines weiblichen Fans zu entgehen, den Sänger ja so was von süß fand und es für nötig hielt, dies ihrer (auch schon dadurch genervten) Freundin alle paar Sekunden aufs Neue mitzuteilen. Aber die Band war gut.
Als das Konzert um war, ging die Uhr auch schon auf zwei zu und es war mittlerweile wirklich kalt geworden – definitiv zu kalt für meine wohl am Vorabend eingefangene heftige Erkältung, weswegen ich mich schnell auf den Weg zum Zelt machte.
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…da findet das Southside-Festival einem Versprecher mir zufolge Jahr für Jahr statt. Klar, das bot eine Steilvorlage für diverse Wortspiele: Der bevorzugte Musikstil ist Death Metal und als Headliner spielten Die Toten Hosen, denn für Die Ärzte war es schon Zu Spät. Die Hauptbühne steht in der Aussegnungshallt und die Alternastage im Krematorium, die Zelte befestigt man mit Kreuzen statt mit Heringen. Und eins ist klar: Live(/Life)-Musik gibt es sicher keine
PS: Wie ihr vielleicht schon vermutet habt, es handelt sich in Wirklichkeit um einen Militärflughafen. Aber das ist ja langweilig.
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Muss auch mal sein. Denn in den letzten Wochen fehlten mir einfach Ideen bzw. Themen, die mir auf der Zunge brannten. Zudem ist ja ganz nebenbei EM, also genug Gelegenheit für meine verehrte Leserschaft (wie auch für mich), sich die Zeit anderweitig zu vertreiben. Und sowohl mit dem Global Marketing Game (bei dem wir unsere mangelnde Erfahrung mit umso mehr Einsatz auszugleichen versuchen) als auch mit dem Southside-Festival (morgen geht’s los) hab ich momentan genug zu tun, um nicht über gähnende Langweile klagen zu müssen.
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Dieses Jahr nicht. Beim Southside sagten mir die Bands einfach mehr zu. So wurde es nichts mit Rock am Ring – und deshalb war auch ein wenig Wehmut da, als ich dieses Wochenende die Fernsehbilder vom Ring sah. Doch wurde sie schnell von der Vorfreude verdrängt.
Aber: Die Stimmung der Ringrocker war gedämpft. Viel zu viele Leute auf viel zu wenig Platz seien es dieses Jahr gewesen – nochmals deutlich mehr als im letzten Jahr, als die Kapazitätsgrenze wirklich erreicht war. Offiziell zwar wieder „nur“ 85.000, doch selbst die vorsichtigen Schätzungen halb-offizieller Art sprachen von einer sechsstelligen Zahl. So kam es dann auch, dass schon Donnerstag Spätnachmittag alle Zeltplätze belegt waren und kurzerhand Bereiche dazugenommen werden mussten, die vom eigentlichen Festivalgelände eine Stunde Fußweg entfernt waren. Doch wen wundert’s, wenn der Zugang zu den Zeltplätzen erst am Freitag kontrolliert wird und so viele auch ohne Eintrittskarte die Party mitnehmen wollten.
Auf dem Festivalgelände selbst war die Situation wohl kaum besser. Nach 18 Uhr bestand keine reelle Chance mehr, die Bands auf der Centerstage aus angenehmer Entfernung zu sehen – was das Wechseln von einer zur anderen Bühne quasi unmöglich machte. Gedränge schon in mehreren hundert Metern Entfernung zur Bühne – wo höchstens lockeres Stehen angesagt sein sollte.
Insofern bin ich ganz froh, diesem „Vergnügen“ entgangen zu sein und beim kleineren (ja, mit 60.000 Besuchern geradezu winzigen) Southside-Festival Bands auch wirklich zu sehen, die zwar eine halbe Schublade kleiner als Rage Against The Machine, Metallica und Die Toten Hosen sind, aber doch ein gewisses Format besitzen. Auch wenn der Ring einfach ein unbeschreibliches Flair besitzt und der Krebsberg endcool ist. Von daher kann ich nur hoffen, dass die dortigen Veranstalter mal über die Situation nachdenken und das Ticketkontigent drastisch einschränken. Denn nur eine dadurch steigende Qualität kann Ticketpreise um die 135 Euro rechtfertigen. Und ich wär gern nächstes Jahr wieder dort im Sauwetter… aber nur, wenn das auch zumutbar ist.
Aber wer weiß, vielleicht überzeugt mich das Southside-Festival auch restlos und ich will gar nicht mehr woanders hin…
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Gerade eben hab ich mein letztes Müsli verspeist. Ich rang um jeden Tropfen Milch, der noch aus der Packung floss – und dann war Ende. Aus. Die Tragweite dieser Tatsache begreift man erst in allen Dimensionen, wenn man weiß, dass Milch (und vor allem Müsli) für mich zu den absoluten Grundnahrungsmitteln gehören. Nun werde ich mich umstellen müssen – denn ich hab gestern im Supermarkt (in meinem über alles „geliebten“ Tengelmann – doch das ist eine andere Geschichte) den letzten bezahlbaren Tetrapak Frischmilch ergattert.
Ich kann nur hoffen, dass dieser unsägliche Streik bald beendet ist. Dagegen waren die Bahnstreiks damals ein Klacks – das betraf mich nur sehr periphär. Versiegende Milchquellen dagegen treffen direkt ins Mark. Das tut wirklich weh. Symptomatisch, dass mir gestern mein Müslischälchen entglitten und am Boden zerschellt ist – ein Spiegel meines Seelenzustands inmitten der Milchkrise. Doch noch schlimmer ist die innere Zerrissenheit: Was soll man sich anbetracht der Alternativen denn wünschen? Einen schnellen Abschluss der Preisverhandlungen mit dem Resultat, dass das „weiße Gold“ unerschwindlich wird? Oder lieber monatelange Kampfschauplätze und eine verzweifelte Bevölkerung, deren Durst ins Unermessliche steigt? Ja, es ist an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu schauen: Wir sind im Krieg. Und es wird Blut geben.
EDIT: Toll, diese Meldung hat meine verzweifelte Endzeitstimmung völlig zerstört – und mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Immerhin – es gibt bald wieder Milch. Ich werd schonmal meine Ersparnisse zusammenkratzen.,,
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Und zwar für all die wunderbaren Websites, die es mit sich bringt. Und weil mir heute drei davon wieder auffielen, möchte ich euch die nicht vorenthalten:
- www.kicktipp.de: Vorbei die Zeiten von Schmierzettel-Tippspielen und komplizierten selbstgeschrieben Skripts zum Auswerten der privaten Tippspielrunde: Hier geht das ganz komfortabel automatisch. Und dabei hat man fast völlige Freiheit, was die Bewertung und das Einbinden von „Sondertipps“ angeht.
- www.doodle.ch: Umfrage gefällig? Kein Problem. Vor allem für Terminabsprachen in einer größeren Gruppe sehr geschickt. Schnell eingerichtet und übersichtlich.
- www.yugma.com: Ok, das hat nichts mit Web2.0 zu tun und kommerziell ist es auch noch. Aber das Ding kann was. Und zwar Web-Konferenzen inklusive Desktop-Sharing – und das ganze mit recht ordentlicher Performance und recht wenig „Geruckel“. Sehr praktisch, wenn man mit Leuten zusammenarbeiten (und zu diesem Zweck deren Desktop sehen) will, die ganz wo anders auf der Welt sitzen.
Gespeichert unter: Lebenserfahrung satt
Kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, dass Autofähnchen außerorts 0,5 Liter pro Kilometer zusätzlich verbrauchen. Klar, diese Notiz erschien anlässlich der bevorstehenden EM. Und da stellte sich mir natürlich die Frage, wieviel das denn insgesamt für Deutschland bedeutet.
Ausgehend von geschätzt 30 Millionen Autofahrern, könnten ungefähr fünf Millionen eine Autofahne besitzen. Wenn diese pro Woche 200km fahren, ergibt das über den Zeitraum von drei Wochen summa sumarum 3 Milliarden km, die „fähnchenschwenkend“ zurückgelegt werden – also bei einem Verbrauch von 8 Litern pro 100km 240 Millionen Liter Sprit, die ins Nichts gehen. Mit einem Preis von 1,50 Euro pro Liter sind das 360 Millionen Euro, die für nichts und wieder nichts aus den deutschen Geldbeuteln verschwinden und das Klima verpesten – immerhin 0,02 % des BIP.
Aber mal ganz ehrlich – das muss uns der EM-Sieg doch wert sein…