Gespeichert unter: Lebenserfahrung satt
Ja, richtig gelesen. Es geht allerdings nicht um irgendeine Sorte von Übermenschen, sondern um das genaue Gegenteil… aber dafür muss ich etwas weiter ausholen:
Ich stieß in einem Blog auf den Begriff Speziesismus und musste den erstmal nachschlagen. Interessantes Konzept: Die Tatsache, dass man Tiere anders behandelt als Menschen, ist laut den Verfechtern dieser Ideologie nichts weiter als eine deutlich verstärkte Form von Rassismus. Schließlich gebe es nichts, was die Aufteilung der Tiere in mehr oder weniger „wertvolle“ Tierarten oder die Abgrenzung vom Menschen zu den Tieren rechtfertigen würde. Somit wäre das Töten eines anderen Lebewesens moralisch und ethisch nicht anders zu sehen als Mord. Deshalb ernähren sich bekennende Antispeziesisten selbstverständlich veganisch.
Soweit, so gut. Nun stößt man da allerdings seinerseits auf Abgrenzungsprobleme:
Was soll man dann davon halten, dass manche Tiere andere willkürlich töten – weil sie sich überlegen fühlen oder weil es ihnen Spaß macht? Es kann ja wohl nicht sein, dass sich nur Menschen an diese Regeln halten…
Was ist überhaupt ein Lebewesen – zählen Pilze, Amöben und Schwämme nur deshalb nicht dazu, weil sie die vier „Tier“-Eigenschaften nicht erfüllen, die wir alle im Bio-Unterricht gelernt haben (Mehrzelligkeit, eukaryotischer Zellenaufbau, Heterotrophie, Bewegungsfähigkeit)?
Und überhaupt: Sollte man nicht Pflanzen genauso respektieren, wie Tiere? Und ausgehend davon hat sich eine der freakigsten Ideologien gebildet, die ich in letzter Zeit gehört hab: Die Frutarier sind Menschen, die sich nur von pflanzlichen Produkten ernähren, die diese „freiwillig“ zu Verzehr bereitgestellt haben: Obst, Nüsse, Samen, Getreide, Beeren, Tomaten, Bohnen, Erbsen, etc. Aber nichts, wofür die Pflanze zerstört werden müsste (z.B. Salat, Kartoffeln, Lauch, Spinat). Also quasi eine noch krassere Form des Veganismus.
Interessantes Detail am Rande: Steve Jobs war in den 70er-Jahren auch Frutarier – und nannte angeblich sein Unternehmen deshalb „Apple“. Ich halte es allerdings auch für wahrscheinlich, dass er in der Zeit als Student kein Geld für teure Nahrung hatte und sich deshalb hauptsächlich von Studentenfutter ernährt hat
Aber zurück zum Speziesismus: Ein bekannter Vertreter dessen ist auch Peter Singer. Dessen Name dürfte auch dem einen oder anderen ein Begriff sein – er wurde durch seine provokante Ethik bekannt. Diese definiert die „Wertigkeit“ von Lebewesen auf Interessensabwägung (statt Gleichbehandlung). Bedingung für Interessen ist die Fähigkeit, Glück oder Schmerz zu empfinden. Wenn dies erfüllt ist, steht das Interesse des Tiers, zu leben, höher als das menschliche Interesse, zu essen oder einen Pelzmantel zu haben. Die Konsequenz dessen, ist allerdings (vor allem auch aus Sicht der Antispeziesisten) höchst provokant: Schwerbehinderten Embryonen wäre damit das Lebensrecht abzusprechen. Komapatienten eventuell auch – schließlich können Sie keine Interessen mehr kommunizieren.
Nun aber genug philosophiert – jetzt ein leckeres, saftiges Schnitzel einschieben
5 Kommentare bis jetzt
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Ich fands auch interessant ws es da so alles gibt. Dachte bevor ich Wikipedia studiert hab auch, dass Veganer das sind was Frutarier sind
Kommentar von Jonathan Schneider Mittwoch, 20 Februar 2008 @ 23:54Hm, Veganer kannte ich schon. Aber dass es Leute gibt, die wirklich nur Beeren und Nüsse essen, das hat mich ziemlich verwundert…
Kommentar von UlfsHeizung Donnerstag, 21 Februar 2008 @ 9:51Darf man fragen, in welchem Blog dieser Begriff gelesen wurde?
Kommentar von J. Bentham Freitag, 29 Februar 2008 @ 0:32Aber natürlich… bei Jonathan (http://langhaarschneider.zungu.net/2008/02/18/3-jahrestag-der-ersten-rockstage/) fällt irgendwo in einem Nebensatz der Begriff…
Kommentar von UlfsHeizung Freitag, 29 Februar 2008 @ 19:27Es mit Abstand eine der schwierigsten Fragen. Ich schwanke ehrlichgesagt auch umher und finde es falsch, den Menschen nicht als Tier zu bezeichnen. Ich finde, der Mensch ist ein Tier wie jedes andere. Aber auch ein Tier, wie zB ein Löwe, frisst je nach veranlagung auch andere Tiere. Und was ist Veranlagung? Wenn man problemlos etwas verzehren kann und sich danach nicht übergeben muss. Und das könne wir ja offenbar… oder nicht?
Obwohl: Gilt etwas, das man kochen muss als „problemlos verzehrbar“… ich finde die Frage spannend – werde aber vorerst nicht (mehr) mit dem Fleischverzehr aufhören.
Kommentar von pfoffie Mittwoch, 17 Dezember 2008 @ 13:00Es gibt jedoch Leute die denken herausgefunden zu haben, dass unsere Zähne perfekt für (und nur für) Früchte sind… Wer weiss.